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Sebastien Tellier:
Sexuality
(Record Makers) |
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Shonky:
Time Zero
(Freak'n'Chic ) Die Tracks auf seinem Debüt-Album tragen Namen wie "Nebula", "Cosmic Ray", "Galactica" oder "Odyssey". Und wirklich wirken die meisten Stücke sehr hypnotisch und fast schon ein wenig spirituell ambientös. Dafür sorgen nicht nur die immer wiederkehrenden, wuppernden Beats sondern auch die sehr häufig genutzte Stilmittel wie Glocken in allen möglichen Tonhöhen und Hallspektren. Auch die benutzen Vocals verarbeitet Shonky immer mit ordentlich Hall. Und unter allem grummeln tiefste Bassteppiche. Das lässt den Augeninnendruck steigen und man beginnt unscharf zu sehen. Aber sehen muss man bei Shonkys Album ja auch nichts. Es reicht ja zu hören. Am besten legt man sich hin und macht sich bereit, seinen Kopf frei zu bekommen. Darin liegt der Vor- aber auch der Nachteil von Shonkys Album. "Time Zero" - das trifft die musikalische Aussage dieses Albums perfekt. Dieses Album ist wie geschaffen für die Nullzeit, ein Soundtrack für's Nichts. Es hinterlässt nichts als Leere, da ist kein Musikstück an das man sich speziell erinnern könnte. Es gibt kaum Unterschiede zwischen den einzelnen Tacks. Aber wenn man mal richtig Lust auf eine Tiefenentspannung hat ist "Time Zero" genau passend. [tt] |
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I.N.K.:
Punk Phunk
(Sony BMG Japan) Ende 2007 passierte nun genau dieses - Fumitoshi Ishino (Takkyu) & Hiroshi Kawanabe (der bis auf eine einzige Ausnahme nur mit Takkyu beim INK Projekt zusammenarbeitet) veröffentlichten Punk Phunk. Und auch bei diesem Album ist es höchst ärgerlich, dass hierzulande kaum jemanden davon erfahren wird. Denn diese Musik unterscheidet sich deutlich von dem, was uns sonst so aus Ländern wie Frankreich, Finnland, Spanien oder gar den USA – von Deutschland mal ganz zu schweigen – serviert wird. Es scheint angesichts des Albums, dass sich die elektronische Tanzmusik in Japan über die vergangenen Jahre entwickelt hat wie die Tierwelt auf den Galapagos Inseln. So, als gäbe es den Rest der musikalischen Welt da draußen gar nicht oder nur ganz weit entfernt. Was da ranreifte wurde ein ganz eigener Kosmos. Deshalb findet sich auf diesem Album auch nicht nur ein einziger Stil. Es ist kein Album irgendeines Technokünstlers oder zweier Minimal-Produzenten oder das einer beliebigen Electro-Jazz-Gruppe. Das hier ist viel mehr als all das zusammengenommen. Eher wie ein hochkomplexes japanisches Essen. Keiner von den Produzenten hierzulande würde sich an so etwas rantrauen! Melodiebögen, die man so noch nie gehört hat, neue Klänge – ich habe wirklich enorme Schwierigkeiten damit, die Musikvielfalt auf "Punk Phunk" irgendwie einzufassen, denn jegliche Genrefindung würde den Sound nur einengen oder beschneiden. "Krautjack" zum Beispiel. Ein eher minimal beginnendes Stück mit ein paar sehr dezenten Acid- Anleihen verwandelt sich zuerst in einen treibenden Technobeat, dann aber sofort in ein unglaublich stimmiges Jazz-Stück und schraubt sich anschließend in orchestrale Höhen. "Garage Phunk" beginnt wie ein traditionelles, japanisches Trommelstück um dann kurz und schmerzlos in eine Mischung zwischen Happy Hardcore und Speedrock verwandelt zu werden. "I.P.P." nimmt Anleihen vom guten alten Rock der 80er, mischt etwas "From Dusk Till Dawn" sowie "Pulp Fiction" hinzu und krönt diese Mischung mit ein wenig Cowboyrhythmus und Hillbilly-Mentalität. Aber auch weniger multiinstrumentale Stücke wirken nicht weniger kunstvoll. Sie bedienen sich einer Unzahl kleiner Fragmente zwischen Fahrradklingel und elektronisch erzeugtem Shamisen-Sound (japanisches Saiteninstrument) und dazu noch einer ganzen Armada an Effekten ohne dabei ein einziges mal auch nur in die Nähe von Nervigkeit zu gelangen. Und derer Beispiele finden sich ganze 18(!) auf "Punk Phunk". Während man hierzulande zuerst den Rave verehrte, ihn dann verteufelte um ihn Jahre später neu erfinden zu müssen, bauen INK ihn einfach verpoppt und wie selbstverständlich in ihre Lieder ein. „Punk Phunk“ ist ein Album, für das mancher hierzulande geohrfeigt oder zumindest spöttisch beäugt werden würde, für das sich kaum ein Label finden würde und wenn doch, dann wären die Verkaufszahlen eher gering. In diesem Falle umgibt die Produktion jedoch der Hauch von Exotik - Japaner eben. Die dürfen so etwas aber nicht nur, sie können es eben auch! Die Lieder auf "Punk Phunk" sind besserer Ambient, besserer Minimal, besserer Pop, besserer Techno, besserer Was-weiß-ich-noch-alles! Dieses Album ist ein Hörspiel. Dieses Album ist Genuss. Dieses Album ist elektronische Musik auf höchstem Niveau. Dieses Album ist ein Lehrstück. Dieses Album ist kaum zu bekommen. Was für eine Schande! [tt] |
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Carl Craig:
Sessions
(K7!) Die beiden gemixten CDs featuren unveröffentlichtes, Alternativ-Mixe von eigenen Stücken, eine Auswahl von Tracks, die unter den Pseudonymen Paperclip People und 69 entstanden, und natürlich die Remix-Arbeiten der verangenen Jahre, wobei natürlich der monolithische Remix von "Like A Child" für die Junior Boys nicht fehlen durfte. Der gestandene Detroit Techno-Fan wird vermutlich einen Großteil der Stücke auf "Sessions" schon auf Vinyl oder anderweitig haben. Dennoch: Techno-Freunde, die eine Art "Abba Gold" von Carl Craig haben möchten, und dies vom Meister noch selbst kompiliert bzw. gemixt, kommen an den "Sessions" kaum vorbei. Für diejenigen, die elektronische, technoide Clubmusik mittlerweile als E-Musik verstehen, werden die CDs sicherlich zu einem musikhistorischen Standardwerk avancieren , dass man so getrost zum nächsten, interplanetarischen Satelliten packen könnte, um Aliens zu erklären, was (guter) Techno ist. [sisi] |
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Eric D. Clarke:
E= dC²
(Firm / Kompakt) Eric D. Clark, der lässig croonender Conferencier mit Federboa, nimmt den Hörer einmal mehr mit auf die Reise durch seinen plüschig-bunten Kosmos. In den Songs bzw. Tracks tanzt man mal jackig in Chicago House-Clubs, mal zum Post-Disco-Sound der New Yorker Paradise Garage, suhlt sich in schwitzigem 80er Sex-Funk-Epen à la Prince oder Rick James, genießt Easy-Listening Jazz oder ravet zu Kölsch-Kompakt’scher Coolness. An manchen Stellen wird der Eklektizismus übertrieben, z.B. wenn im Song "Legion" Ed Banger’sche Techno-Rockismen angedeutet werden. Den Gesamteindruck trübt dies jedoch nicht. Ähnlich wie ein André Benjamin sich bei Outkast vom HipHop-Korsett entledigte, sprengt auch Eric D. Clark jenseits von Whirpool Productions alle Rahmen, in die man ihn zu drängen versucht. Ein Gesamtkunstwerk! [sisi] |
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Matthias Tanzmann:
Restless
(Moon Harbour) An der Schnittstelle von Deep und Minimal von House und Techno bastelt Tanzmann nun schon seit mehr als zehn Jahren. Ersten hörbaren Erfolg hatte er schon 1999 mit dem Track Feeling Love, damals noch zusammen mit Daniel Scholz als Gamat 3000. Schon kurze Zeit später wurde Moonharbour Recordings aus der Taufe gehoben. Es folgten Residenzen ausserhalb Leipzigs in so namhaften Clubs wie dem Berliner Sternradio und dem Harry Klein in München. Im vergangenen Jahr wurde das DJ-Leben des Matthias Tanzmann internationaler denn je. Und so zeugt schon die Benennung der einzelnen Tracks (Hotel Sapporo, Flight Mode) von globaler Aktivität. Restless versammelt in der CD-Version neben acht neuen Tracks auch noch einige Hits, die zuvor nur einzeln erhältlich waren (z.B. Bulldozer). Eine unnachahmliche Balance zwischen technoider Perkussivität und warmem Sound-Design zieht sich durch das ganze Album. In der gemixten CD-Version macht Restless so Lust auf die bald wieder stattfindenden sonntagnachmittäglichen Freiluft-Tanzveranstaltungen! [sisi]
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Christian Prommers Drumlesson :
Volume 1
(Sonar Kollektiv) Er holt sich befreundete Jazzmusiker, allen voran den begnadeten Pianisten Roberto Di Gioia, zu einer Jam ins Studio und lässt diese als Stichwortgeber über klassische Themen aus House und Techno improvisieren. Das Album kommt fast komplett ohne Elektronik aus und gibt Klassikern wie "Strings Of Life", Isolée’s "Beaut Mot Plage", "Plastic Dreams" und "Can You Feel It" im Geist von Latin Jazz eine ganz neue Dimension. Im Gegensatz zu Senor Coconut wirkt das ganze dabei nie nur witzig als Novelty Gag. Das ganze kann sowohl Jazzfan, vom Deep House-Connaisseur als auch von der Latte Macchiato-Fraktion gleichermaßen genossen werden. Ein wahrhaft erwachsenes Album. Der einzige Wermutstropfen ist, dass es die großartige, im Internet zu hörende Version von Daft Punk’s "Around The World" nicht auf den Silberling geschafft hat. [sisi] |
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Robert Owens:
night-time stories
(Compost) Mit "Night-Time Stories" veröffentlicht nun der Sänger endlich nach ein paar Jahren wieder ein Album unter eigenem Namen: statt "featuring Robert Owens" steht sein Name nun an erster Stelle, gefolgt von einem Dutzend Produzenten aus dem Deep House und Freestyle-Bereich, welche Songs für ihn komponiert und arrangiert haben. Und so ist das Album doch wieder eine Ansammlung von Tracks geworden, die in der Mehrzahl housig und hallig die Klangtapete für Owens exaltierte Stimmakrobatik bieten. Trotzdem steht da kein Konzept oder gar eine durchgängige Geschichte dahinter. Und ziemlich schnell wird offenbar, warum es so lange kein Solo-Album von Robert Owens gab: mit allem Respekt für Robert Owens geniale Stimme - eine Stunde am Stück pathetisches Phrasieren, gefühliges Gurren und sehnsüchtiges Schluchzen sind dann doch zu viel des Guten. Da gehen dann selbst Tracks, die für sich allein House-Hymnen abgeben würden, im Dauerpathos unter. Dennoch hat das Album auch enorm starke Momente, die vor allem im langsameren Mittelteil, welcher durch eine etwas überlange, aber hübsch geschwungene Slow Motion-Schlafzimmer-Nummer von Atjazz eröffnet wird, zu finden sind. Kurz danach folgt ein großes Opus - der einzige Song des Albums, den Robert Owens selbst geschrieben und produziert hat. Beinahe 10 Minuten lang bereitet er sich selbst mit Housebeat, Claps, Piano und Streichern (die sich leider etwas zu synthetisch anhören) die Bühne für eine schwelgerische Arie mit großem Gestus. Danach überrascht Mark Romboy, eher bekannt für bratzigen Elektrohouse, mit einer geschmeidig-dezenten Ballade - mit Gesang und mit Predigt-Fetzen, die doch glatt als Verbeugung vor Robert Owens großen Fingers Inc. Hit "Can You Feel It" durchgehen könnten. Ein hübsches Betthupferl. Ansonsten gibt es noch ein paar solide Nummern, welche von Charles Webster, Wahoo, Ian Pooley und Jimpster arrangiert wurden: vieles davon klingt etwas zu sehr nach dem gerade auslaufenden, unterkühlten und melodiösen Techhouse-Sound des Innervision-Labels. Da ist kein Total-Ausfall dabei - aber am besten wirken die Tracks wohl einzeln, außerhalb des Albums. Seltsam aber wahr: hier sind die Teile mehr als deren Summe als Album. Respekt, das passiert auch nicht alle Tage. [alx] |
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Miss Kittin:
Bat Box
(Nobody’s Bizzness) |
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Sascha Funke:
Mango
(BPitch Control) Ganz behutsam empfängt Sascha Funke die Hörer auf seinem neuen Album – dem zweiten eigenen und damit dem Nachfolger zu "Bravo". Genau so zart wie der das Eröffnungsstück, ist dann auch der Titel (sowohl von diesem Stück als auch vom ganzen Album) "Mango". Und irgendwie lassen sich erstaunlich viele Assoziationen auf diese tropische Fucht im Laufe des Albums anstellen. Als ob er eine Mango schälen würde, fast zärtlich, geht Sascha mit den Sounds um, die er in seinen insgesamt 9 Stücken nutzt. Nichts wirkt überladen oder gar unüberlegt, nichts unausgereift. Durch saftige Schichten wohlig prickelnden Fruchtmarks schlürft man sich durch bis zum Kern. Auf den stößt man erstmals beim vierten Track: "Take A Chance With Me" - hier wird’s zum ersten Mal etwas tanzbarer. Danach besinnt sich Sascha Funke aber auch sofort wieder der sensible Grundstimmung, mit "Summer Rain" zieht er sich in ambientöse Gefilde zurück. Doch kurz danach - bei "Double Checked" - gibt es für unsere Liebenden dann aber kein Halten mehr. Sie stehen auf und wiegen sich langsam in den Wellen der satten Bässe die wie ein warmer Windhauch bis zu ihrem Mangobaum herüberweht. Ihre Zehen spielen mit dem Sand. Ganz eng wollen sie die Bewegungen des anderen fühlen. Nein, dieses Album ist nicht für die Disko geeignet. Da ist es so fehl am Platz wie McDonalds-Weideflächen im Regenwald. Die Musik ist zu zart für raue, verrauchte Dancefloors, die von Leuchtkegel und blinkenden Lichtinstallationen erhellt werden. Mit diesem Album lässt sich die hoffnungsvolle Süße des aufkeimenden Frühlings untermalen – ob nun unter einer Eiche im Hinterhof eines Berliner "Underground"-Clubs oder unter einem Mangobaum irgendwo in Thailand. [Ab Februar 2008 in Deinem Plattenladen] (tt) |