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Dominik Eulberg:
Bionik
(Cocoon) Sein neues Album "Bionik" zeigt eine sanfte Weiterentwicklung des Produzenten: nach wie vor geht es um die Fusion von funktionaler Dancefloor-Kompatibilität mit einer gewissen klanglichen Urwüchsigkeit. Dennoch hat Dominik seine Unterweisungen in heimatlicher Flora und Fauna beendet. "Bionik" beschreibt die Übertragung vom biologischen Design in technische Konstruktionen und Technologien, wie das Booklet anschaulich erläutert. Das Album hört sich gemäß der Themensetzung kühler und technischer an. Viele der Tracks sind unterkühlte Techno-Epen mit Hang zur Überlänge. Sie vereinigen geisterhaft-filigrane Sounds mit warmen, swingenden Bässen, Melodienflächen und zärtlichem, feinmotorischen Geklirre, Geklimper und Geklingel. Tastet sich der erste Track "Der Traum vom Fliegen" noch forschend durch Gestrüpp, welches sich weniger organisch, sondern eher silbern-metallisch anhört, präsentieren die "Libellenwellen" ein mechanisch wundersames Stück Traumtechno mit Glöckchen und Hightech-Feenstaub. Zur Mitte des Albums folgt eindeutig die Peaktime mit Stoff für die Technoparty: in "Autopfoten" wankt eine rockistische Beatmaschine monoton in einen Vorhang aus Tröpfel-Klängen und elektrischen Entladungen. Im gleich darauffolgenden "Haifischflügel" zieht Dominik alle Register: die Beats hüpfen fröhlich auf heißen Dampffontänen, es knarzen die Ventile, die Antriebswellen zischeln: ein faszinierendes Maschinenmonster spuckt eine verrückt-entrückte Melodie aus. Das danach folgende „Rückenschwimmzipper“ lässt einen Geist am Geschwindigkeitsregler spielen und entdeckt dabei die bouncenden Sounds, mit der auch schon Aphex Twin die Tanzflächen zerlegte. Nach diesen sensationellen Tracks verzeihen wir Herrn Eulberg dann auch den folgenden Ausflug in die Niederungen des Spät-1990er-Loverparade-Sounds inklusiver fieser Rave-Fanfaren. Nach etwas mehr als 70 Minuten schließt er die Lektionen versöhnlich mit zwei Hymnen ab, die eine bittersüß, die andere etwas poppig-klebrig mit elektronischen Flötenschlieren. Was bleibt von Dominik Eulbergs Unterweisungen im Hightech-Musik-Engineering? Auf jeden Fall mehrere brillante Tracks, die das Album zu einem der besten Techno-Veröffentlichungen 2007 machen. (alx) |
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Pig & Dan:
Imagine
(Cocoon) Für die nächste Afterhour oder das nächste Warm Up kann man sich getrost mal den Artist sparen, das Licht einfach etwas dunkler drehen, ein wenig mehr Nebel auf den Floor blasen und dieses Album einlegen. Da schaut eh keiner mehr in Richtung Plattenteller – die haben alle die Augen zu und fliegen! (tt) |
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Le Dust Sucker:
Two
(Plong!) |
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Sun Electric:
Lost And Found: 1998-2000
(Shitkatapult) Dabei gehören sie Anfang der Neunziger zu den wichtigsten Produzenten der Musik, die heute auf den Clubtanzflächen zu hören ist – aber in einer Form, die nicht funktional am Tanzvergnügen orientiert ist, sondern sich stattdessen nach und nach mit neuen Ideen in neue klangliche Bereiche vortastet. Irgendwie gehört es wohl zu den "deutschen Tugenden" wirre Klänge hinter- und übereinander zu packen, das ganze dann noch mit erheblichem Aufwand zu verfeinern und dem Resultat ein Kunst-und-Anspruch-Mäntelchen überzuziehen. Dann nennt man es schnell noch Avantgarde oder eben Electronika und hofft, dass möglichst wenige, dafür aber eben umso eigenartigere Menschen darauf anspringen. Das klappte schon bei Kraftwerk, klappt immer noch bei The Orb und auch Sun Electric durften sich ein paar Jahre in diesem erlauchten Kreis aufhalten. In den neunziger Jahren veröffentlichten sie eine Reihe einflussreicher Alben, das letzte erschien 1997. Bis einschließlich 1998 präsentierten Sun Electric ihre Musik noch auf einer Tour, veröffentlichten noch eine Platte und entschieden sich dann aufzuhören. Thomas Fehlmann war es, der dann, ein paar Jahre später, eine CD bei einem Freund im Regal entdeckte. Auf dieser fanden sich noch ein paar Stücke, die Sun Electric damals produziert aber nie veröffentlicht hatten. Thomas und sein musikalischer Freund im Geiste Daniel Meteo entwickelten diese Idee weiter und brachten nun auf Shitkatapult diesen musikalischen Skizzenblock heraus. Die Musik und Geräuschkunst auf "Lost and Found" ist schwierig angemessen zu beschreiben. Ist man aufgenommen in den Kreis derer, die diese Musik verstehen dürfen oder vielleicht sogar in der Nachbarschaft von Sun Electric wohnen, lässt sich da bestimmt eine Menge hineininterpretieren. Allerlei Geräusche könnten an Dinge wie Urwaldtrommel oder auch Zahnarztbohrer erinnern. Von Feengesang bis Klospülung finden sich unendliche Erlebnismöglichkeiten. Für mich Nicht-Initiierten klingt das ganze jedoch eher wie eine Jamsession eines Hamburger Waldorf-Kindergarten mit den Berliner Symphonikern. So, als ob man sich zum Zeichen des allumfassenden Kulturverständnisses auf Biegen und Brechen zum Ziel gesetzt hätte, eine gemeinsame Symphonie erschaffen wollte. Da man sich aber nicht wirklich auf einen Takt einigen konnte und die doofen Hamburger Rotzgören wieder mal nur ohne Sinn und Verstand auf ihre Xylophone dreschten, schnitt man sich eben hinterher einzelne Klänge raus, legte einen einvernehmlichen Hall-Filter über alles und schon haben auch die Eltern etwas, bei dem sie sich nicht ganz so schuldig fühlen, wenn sie ihr Kind wieder einmal belügen in dem sie klatschen und sagen: "Das hast du ganz toll gemacht." (tt) |
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Tomboy:
Serious
(Gomma) Aber was hat das mit dem neuen Tomboy-Album zu tun? Erst einmal gar nichts. Wollte das mal erwähnt wissen. War mir bis dato neu. Der hier erwähnte Tomboy hat nämlich nicht das Geringste mit maskulinen Mädels zu tun. Immerhin ist der Herr als Schlagzeuger des Gomma Gang-Trios Whomadewho auf Frauenherzen abonniert und kann eine Menge begeisterter weibliche Fans sein Eigen nennen. Diese werden dann auch wohl eher versuchen mit ihren Reizen zu punkten, als den Herren mit maskuliner Kumpelhaftigkeit zum gemeinsamen Autoschrauben zu überreden. Aber weg von Brüsten, hin zu dem eigentlichen Anliegen dieses Textes. Es gilt mit stoischer Gelassenheit das in der ersten Hälfte 2007 veröffentlichte Solowerk „Serious“ des Dänen Tomas Barfod aka Tomboy schriftlich zu ergründen. Vorweg: es ist ein spannendes Unterfangen. Und das Album ist eine Wonne. Herrlich. Denn es plingt und ploingt, wabbert und wummert, klickt und klackert, bratzt und bretzelt an allen Ecken und Kanten, in einer so vollkommenen Schönheit, das man eigentlich nur zuhören möchte ohne noch weitere Wort zu verlieren. Das sollte man lieber dem Tomboy überlassen. Zur Hilfe kommt ihm eine weibliche Sangeskraft, die in einer so angenehm unterkühlten Art regelmäßig das Wort ergreift (zum Beispiel in "Swan"), das einem vor lauter schaurig schöner Reserviertheit ganz warm ums Herz wird. In einer so nonchalanten Art hat mir noch keine Frau den musikalischen Weg gewiesen. Da folgt man gerne. So verhält es sich auch mit der ganzen Platte. Zwar drängen sich immer wieder Favoriten auf ("Flamingo", "Synchronize", "Something") aber je öfter man der Platte die Chance gibt, sich in die offenen Gehörgänge zu bohren (Kopfhörerwahnsinn!) desto mehr verliert man sich in der sphärischen Gesamtheit dieser Scheibe. Ein kleines Meisterwerk, das zu Recht auch noch Monate nach Veröffentlichung eine erneute Erwähnung hier verdient. Die Tomboyschen Soundwelten sollten gehört werden. Lasst Euch entführen: Kopenhagen Syndrom garantiert! Und wer sich erst einmal in die Klangwelten von "Serious" begeben hat, der ist dem Tomboy auch schon verfallen. Dann möchte jeder ein bisschen wie er sein. Egal ob Junge oder Mädchen. Hauptsache Tomboy. [ts] |
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Sven Väth:
The Sound of the Eighth Season
(Cocoon) Wie auch schon bei den sieben vorangegangenen Ausgeben, hat Sven den Schwerpunkt darauf gesetzt, die seiner Meinung nach besten Stücke der vergangenen Sommer-Sonne-Club-Periode aus dem Dunkel des Clubs herauszunehmen, um sie einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Möglichkeit, die Wirkung der einzelnen Tracks zu testen, hatte Herr Väth ja hinreichend, gestaltete er doch seine eigene „Cocoon“-Nacht im Amnesia-Club auf Ibiza. Trotz dieser Erfahrung kommt die erste der beiden CDs – übertitelt mit „Freak“ - ungewöhnlich hölzern und steif aus dem Quark. Erst nach ungefähr zwanzig Minuten finden sich die erste Möglichkeit zum Ausflippen. „Schuld“ daran ist maßgeblich der sehr monotone Track von Radical Maijk, mit dem Sven Väth seinen Mix eröffnet. Nicht nur, dass sehr wenig passiert – der Track wird auch noch über 11 Minuten komplett gespielt. Quasi nahtlos daran reiht sich „Ready to Broadcast“ von John Spring und auch der dritte Track von The Amazing. Aber nach diesem Track kriegt Herr Väth dann doch mal die Kurve in Richtung Abfahrt. Von fiesem Electroclash über hochfrequentes Acid Gefiepe, das Hörgeräte schmelzen lässt, bis hin zu fettestem Bass Gewummer jagt ein Track dem nächsten. Das Lächeln will gar nicht mehr raus aus dem Gesicht und die Füße nicht mehr still stehen. Auf den Break in der Mitte mit Joris Voorns „The Deep“ muss man sich einlassen wollen. Der gibt noch mal Zeit zum Kraft tanken und Luftholen, bevor es dann mit Tracks von Argy Claude von Stroke und Chroms in die weitaus düstere, dafür auch nicht mehr ganz so krachige zweite Hälfte dieses Mixes geht. Wer erwartet, mit „Show“, der zweiten CD der Compilation, einfach weiter tanzen zu können, verspürt erstmal einen saftigen Tritt auf die Bremse. Fast schon ambientmäßig steigt Herr Väth mit Tolga Fidans Track „Tanbulistan“ in diesen Mix ein. Auch im weiteren Verlauf bietet sich diese CD eher zur gepflegten Hintergrundbeschallung einer netten Pre-Party-Runde an. Jetzt soll aber auf keinen Fall der Eindruck entstehen, die Tracks auf „Show“ seien langweilig – nicht im Geringsten! Sie überraschen sogar in schöner Regelmäßigkeit mit immer neuen und bislang selten bis gar nicht gehörten Sound-Arrangements. Der Mut zum dezent Schrägen ist klar zu erkennen, überwiegt aber nie. Zu keinem Zeitpunkt wirkt’s stressig oder unangenehm. Es ist eher so als ob man in seinem vertrauten Häuserblock mal in die längst bekannten Hinterhöfe schaut und dabei immer wieder nette, kleine, glitzernde Überraschungen entdeckt. (tt) |
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Dave DK:
Lights and Colours
(Mood Music) Dieser abgeklärte "Erwachsenen-Spirit" ist es dann auch, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht, das leider keine richtig heraus stechenden Highlights aufzuweisen hat. Alles wubbert ganz genüsslich und einlullend vor sich her und erzeugt ein Gefühl von argloser und bequemer Geborgenheit wie daheim auf der Couch von Mami und Papi. Man weiß, dass einem nichts Böses passieren wird, kennt das Mobiliar im Traum und kann voraussagen, wie die lieben Anverwandten bei bestimmten Anlässen reagieren werden. Ihre Angewohnheiten, Vorlieben und Befindlichkeiten sind bekannt. Das macht die ganze Sache irgendwie bieder und nach einer gewissen Zeit beginnt man sich nach der ersten eigenen Wohnung zu sehen. Diese Musik ist gereift, sehr gereift – ich bekomme davon eine Schwere im Kopf wie nach ein paar Stunden am offenen Kamin mit einer dicken Zigarre und einem schweren Rotwein. (tt) |
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Ben Mono:
Hit The Bit
(Compost) Die Tracks – nein, es sind dann doch eher Lieder – verschmelzen HipHop und Elektro auf wunderbare Weise ohne einem der beiden auch nur eine Ecke abzuschneiden. Vielmehr werden beide Musikrichtungen durch diese Symbiose bereichert – aufgebohrt und auch für Leute, die sich nie für HipHop oder Elektro begeistern konnten, interessant. Für diese Abwechslung sorgen nicht zuletzt die große Anzahl von Vokalisten, mit denen Ben Mono zusammenarbeitete. Ihnen gab er bei der Gestaltung der einzelnen Tracks ordentlich Freiraum: gefiel einem etwas nicht, so wurde es halt rausgeschmissen. Ben sorgte also für die mit der Idee, den Sounds und dem Grundgerüst für Samen und Beet, die Gastmusiker pflanzten die Samen, die ihnen am besten gefielen. Der so entstandene Garten ist groß und bunt. Trotzdem ist die Vorliebe der vielen Gärtner für eine bestimmte Farbe zu erkennen. So kommt ab und an, im Laufe der insgesamt 68 Minuten Gesamtspielzeit, eben auch mal der Eindruck der Eintönigkeit auf. Dann sollte man den Kopf eher mal in die Welt unterhalb des Blütenmeeres tauchen, denn auch dort kreucht und fleucht ganz seltsames Getier, das es durchaus wert ist erkundet zu werden. Deswegen empfehle ich "Hit the Bit" in zwei Etappen zu hören. Ansonsten besteht die Gefahr, dass einem die Ohren anfangen zu qualmen und man vorzeitig die Lust an diesem Album verliert. Und das wäre schade! Dafür biete es einfach zu viele spannende Ton- und Sprachfragmente. Klar, "Hit the Bit" ist kein Album zum Tanzen - dieses Album ist für sprachgewandte, interessierte Musikauskenner, die einfach mal Lust haben, sich hinzusetzen und Neues zu entdecken. (tt)
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Underworld:
Bells Of Oblivion
Langweilig ist das nicht, aber an einigen Stellen stellt Underworld erhöhte Anforderungen an die Duldsamkeit der Hörer. Symphonischer Bombast aus dem Synthesizer gleitet entweder in Richtung Nu-Age-Kitsch oder Großraumdisko-Trance – an manchen Stellen winkt Mike Oldfield um die Ecke. In anderen Stücken rezitiert Karl Hyde Slam Poetry auf Panflöte und elektrifizierte Hippie-Schubladen-Beats oder versucht sich mit seinem bescheidenen gesanglichen Talent an einer Indierock-Nummer wie zu seinen musikalischen Anfangszeiten. Zu diesen Musikstücken sage ich "Nö!", springe vor und lande bei den coolen Teilen des Albums: "Beautiful Burnout" schließt übergangslos an die pumpende Stadion-Rave-Single "Crocodile" an und entwickelt aus sanften, fließenden Strukturen eine brummelig-bedrohliche Atmosphäre mit verfremdetem metallischem Sprechgesang - große Oper! "Glam Bucket" in der Mitte des Albums verknüpft perlende Klangvorhänge mit folkigen Gitarren zu überbordendem, bittersüßem Bombast-Ambienttrance. Und in "Faxed Invitation" spricht Karl Hydes verfremdete Stimme auf tickernde Beats, warme Sounds und einem schönen Orgel-Abschluß – eine zurückgenommene Inszenierung für Underworlds Maßstäbe. Ja klar, fast alles gab’s in ähnlicher Weise schon auf vorangegangen Alben von Underworld zu hören, das letzte kam vor fünf Jahren. Underworld schreiben ihren Sound einfach weiter. Das geht schon ganz in Ordnung, denn so werden die Erwartungen nicht enttäuscht. Und auch Nicht-Party-Gänger können das Album hören. Das einzige, was ein bisschen verwundert: warum haben Underworld in Zeiten, in denen Musik im Internet kostenlos verfügbar ist, ihre Produktion nicht noch ein bisschen mehr multimedial aufgebohrt? Als Designbüro könnten sie es eigentlich. (alx) |
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Modeselektor:
Happy Birthday
(BPitch Control) Einmal richtig vorgedrungen in den neuen Modeselektor-Klangkörper "Happy Birthday" habt Ihr nur noch euer Innerstes und die Musik. Alles andere wird verschwinden. Ihr startet eine Reise in fremde Welten. Fern der Heimat. Ankunftszeit unbekannt. Wenn die ersten Takte des Openers "Godspeed" erklingen ist es bereits um Euch geschehen. Treibend, erwartungsvoll nimmt uns das Stück mit auf den Weg, dessen Ende wir nicht erkennen können. Bittet uns einzusteigen und wir folgen willig! Glücklich wie ein kleines Kind. Spontan. Offen. Lassen uns mitreißen. Willkommen in Modeselektors Welt. Deren Talent besteht darin atmosphärische Soundmomente zu erschaffen, denen der Zuhörer sofort erliegt. Fortan gilt ihnen die ungeteilte Aufmerksamkeit. Das haben sie auf den Bühnen dieser Welt gelernt. Und das können sie besser als die meisten anderen elektronischen Acts. Stücke wie "Happy Birthday", "Sucker Pin" oder das hypnotische Glanzstück "Edgar" werden in ihrer Schönheit genüsslich vor uns ausgebreitet. Jeder Moment ist hier wichtig, und steht als Teil eines großen Ganzen. Das Dubbige "Let Your Love Grow" lässt eine Stimmung aufkommen, die etwas Erhabenes und Visionäres hat. Getragen von der Stimme Paul St. Hilaires (Ex-Tikiman) schafft das Stück ein Gefühl das Vertrauen und der Geborgenheit. Alles wird gut. Wir sind bei Euch! Thom Yorke (Radiohead), Maximo Park, TTC, Puppetmastaz. Exquisite Gastmusiker die der Platte eine Offenheit verleihen, nach derer sich viele Musiker sehnen würden. Ihr Wirken erfolgte aus tiefer, ehrlicher Überzeugung für die Modeselektor-Sache und deren Ideen: fans of the band. Das spürt man und darin liegt die Stärke von "Happy Birthday". Der Hörer wird von Beginn an in einer Soundwelt eingelullt, die so viel mehr zu bieten hat, als das Alltägliche. Das Album ist abwechslungsreich, fordernd, aber jederzeit verständlich und nachvollziehbar. Als Hintergrundmusik ist dieses Album sicherlich nicht geeignet, und somit besteht auch nicht die Gefahr, in jedem pseudohippen Café damit konfrontiert zu werden. Zu offensiv wird hier gewummert. Gott sei Dank. Songs wie "The Dark Side Of the Sun" feat. Puppetmastaz oder das hyperaktive "Black Block" wirken verstörend und ungemein bissig, aber zu keinem Zeitpunkt möchte man diese Klangwelt verlassen. Im Gegenteil, man ist froh, so etwas gefunden zu haben. Fühlt sich wie der erste Mensch auf einem unbewohnten Planeten und feiert sich dafür. Warum grinst der so blöd? Da müsst ihr schon selber drauf kommen, denn ich bin gar nicht da. Die einzige Enttäuschung ist für mich der Beitrag der französischen Elektro-Rapper TTC auf "2000007". Zurück auf dem kritischen Boden der irdischen Wahrnehmung! Auf Dauer ist es einfach zu wenig nur seinen Namen rauf und runter zu rappen. Das ist verschwendetes Potential. TTC können das besser. - Ob das in Modeselektors Fall auch so ist? Da bin ich mir nicht sicher. Dafür ist "Happy Birthday" einfach viel zu gut geworden. (Tim Schäfer) |
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The Horrorist:
Attack Decay
(Masterhit) Also zuerst: ich war’s nicht, der bohrte. Es war The Horrorist und der erste Track aus seinem neuen Album "Attack Decay". Und dem Ober-Fritzen antwortete ich damals noch mit einem entschiedenen "Nein". Nein, ich denke nicht, dass sich Technomusik neu erfindet. Warum sollte sie auch?! Das hat sie gar nicht nötig! Sie sollte nur mal wieder ernst genommen werden! Das wird sie nämlich leider viel zu selten. The Horrorist nimmt sie ernst. Bei jedem einzelnen der 17 Tracks wird deutlich, dass sich hier eben nicht wieder einmal jemand einfach nur an seinen Rechner gesetzt und bei der Sound-Software Ableton den "Hit"-Button gedrückt hat. Der Horrorist präsentiert uns stattdessen allerfeinstes Soundwriting. So lässt sich "Attack Decay" auch nicht einfach mit einem Wort beschreiben. Elektro wäre zu einfach, für traitionellen Techno gibt es eindeutig zu viele Experimente, für die experimentelle Schublade ist der Kram viel zu tanzbar und rau. Diese Tracks sind cool, schräg und abwechslungsreich, die Texte machen neugierig. Vor allem weil The Horrorist mit den zwei Sprachen, die ihn derzeit am meisten umgeben, experimentiert. Vor kurzer Zeit zog der ursprünglich aus New York stammende Artist nämlich nach Berlin und so sind die beiden vorherrschenden Sprachen auf "Attack Decay" Deutsch und Englisch. Wer dann auch mal bei den Texten hinhört, stößt auf ein breites Spektrum aus Macht, Gewalt, Sex und Perfektion. Highlights sind auf jeden Fall der Track "Now Destructor", der sich mit seinen Breakbeat-Elementen auf jeden Fall in Reihe mit den besten Stücken von The Prodigy stellen kann, "Automatic", bei dem man einfach nur tanzen will, sowie die Coverversionen "Pain and Pleasure" (im Ursprung von The Klinik) und das Front 242-Cover "Body to Body". Aber auch daneben gibt es auf diesem Album bis zum Gabba-Rausschmiss am Ende jede Menge zu entdecken! (tt) |
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Onur Özer:
Kashmir
(Vakant) |
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Lopazz:
Kook Kook
(Get Physical) |
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Laurent Garnier & Bugge Wesseltoft:
Public Ourburst
(F-Com) |
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